Wettkämpfe  

31.12.2016 OTB Silvester-Lauf

Landesliga--Wettkämpfe

www.laufen-os.de

   

Sponsoren  

   

Trainingszeiten  

Dienstag - Lauftraining

19-20:30Uhr - Sportpark Gretesch

Mittwoch - Schwimmtraining

20-21:30Uhr - Schinkelbad

Samstag - Schwimmtraining

9-10:30Uhr - Nettebad

Samstag - Radtraining

14 Uhr Start - Sportpark Gretesch

  PROBE-TRAINING

JEDERZEIT MÖGLICH!

   

TSG Gesamtverein  

   

 

Unter diesem Motto fand vom 7.-9.7. in Les Angles, einem kleinen Skiort in den Pyrenäen, der Altriman statt. Ein landschaftlich wundervoller, sehr anspruchsvoller Triathlon. Er hat für jeden bergaffinen Triathleten etwas zu bieten und ist daher eine echte Empfehlung für einen sportlichen Urlaub. Beste Organisation und tolle Atmosphäre sind eine Reise wert! Anke & Anja nutzten das Bergtraining der vergangenen Wochen für eine kleine Mitteldistanz. Was sie erlebten, könnt ihr im ausführlichen Bericht erfahren!

Ein extremer Bergtriathlon? In den Pyrenäen? Im Juli? Zeitgleich zur Tour de France? Das klang nach dem perfekten Urlaubsziel! 36er Ritzel ans Fahrrad geschraubt, Wohnmobil beladen und ab die Post. Dank Schlafmöglichkeit für die Beifahrer und viel Espresso kamen wir nach einer Nachtfahrt schon am nächsten Mittag am Mittelmeer an. Nach einer herrlichen Erfrischung nur noch die letzten Kilometer in die Pyrenäen hinauf, schon schlugen wir unsere Zelte auf einem wunderschönen Campingplatz in einem Kiefernwald direkt am Lac de Matemale auf, der für drei Tage Zentrum der südfranzösischen und nordspanischen (und andorranischen!) Triathlonwelt darstellen sollte. Schon beim Rundgang auf dem Campingplatz fühlte man sich wie in einer Ausstellung für das neueste Equipment – schnell wurde noch ein Ladekabel für meine elektronische Schaltung organisiert, das ich ganz vergessen hatte! Da hätte ich ja schön doof ausgesehen, neue Kassette hin oder her! Das Bunte Treiben auf dem Campingplatz spiegelte sich direkt bei der Veranstaltung wider: Hier wurde wirklich alles geboten: Ein Aquathlon und „Entdecker“-Triathlon für die Familie, Sprint, Olympische, Mittel- und Langdistanz. Dank einem übersichtlichen Racebook und einer englischen Wettkampfbesprechung fanden auch wir uns mit unseren eher bescheidenen Französischkenntnissen am vergangenen Samstag Morgen pünktlich am Seeufer ein.

Zu „The Final Countdown“ stürzten sich 350 Leute im Massenstart vom Strand in die Fluten. Da half es auch nicht, dass ich mir nach dem letzten Gerangel beim Start in Limmer fest vorgenommen hatte, gaaaanz sachte loszuschwimmen – ich wurde einfach mitgerissen und brauchte danach erstmal 5 Minuten, um überhaupt wieder Luft zu bekommen. Naja, wenigstens freie Bahn auf der Ideallinie… Das herrliche Wasser und die strahlende Morgensonne waren ein kleiner Trost - diesmal war ich wirklich froh, als mein Rad „The Knife“ mich in der Wechselzone schon mit scharrenden Hufen begrüßte. Eeeeendlich durchatmen! Doch schon nach zwei Kurven ging es direkt in den Anstieg zum „Col de la Llose“ hinauf. Schnaufend ziehe ich an einigen Männern vorbei. Doch in der Abfahrt hat mich die Hälfte davon wieder eingeholt. Zapperlot, wie kann man denn NOCH SCHNELLER hier runterfahren als ich? Vor dieser Abfahrt wurden wir im Briefing explizit gewarnt. Doch mit jedem Kilometer bekomme ich ein besseres Gefühl für die Kurven und überhole nun meinerseits. Und mit 15km bergab blieb dafür jede Menge Gelegenheit! Ein Traum, auf dieser absolut einsamen Straße rauschen wir in ein wildes, enges Tal hinab, überqueren ein Flüsschen und ein winziges Dorf, das aussieht wie aus dem Mittelalter. Naja, und irgendwann ist der Spaß vorbei und es geht 1000 Höhenmeter hoch. Es wird immer wärmer und der Anstieg immer steiler. Und ich immer langsamer. Von der Hälfte der Mitfahrer, an denen ich eben noch vorbeizog, werde ich wieder eingeholt. Die Stimmung ist im Keller, mein Magen auch, irgendwie alles zu viel. Da steht Christian kurz vorm nächsten Pass und feuert mich an!

Gerade richtig, für’s Foto ziehe ich gespielt leichtgängig an einem Gegner vorbei und schaffe es tatsächlich, den Schwung bis zum Gipfel mitzunehmen. Ein weiterer Höllenritt in wilder Abfahrt zurück zum See, dann mit einem breiten Grinsen auf welliger Strecke wieder an allen vorbei. Knife schneidet namensgemäß durch den Wind und ich kaue zufrieden auf einer Handvoll Weingummis von der Verpflegungsstelle rum. Die Welt ist wieder in Ordnung. Doch um eine Baustelle zu umfahren müssen wir durch ein kleines Industriegebiet, ein Kilometer gespickt mit Schlaglöchern, Schotter und zwei messerscharfen Eisen-Führungen für ein Zaun-Tor. Prompt stehen 5 Mitfahrer an der Strecke und zerren fluchend an ihren Reifen. Ich schicke Stoßgebete zum Himmel und schlängel mich vorsichtig durch die Gefahrenzone. Alles gut! Eine weitere hammermäßige Abfahrt sorgt schnell für andere Gedanken. Auf einer breiten Straße mit super Asphalt und kaum Verkehr (die Strecken waren nicht gesperrt) geht es in rasanter Fahrt ins nächste Tal hinab. Einfach traumhaft! Es ist nicht zu steil und eng, so dass ich super abfahren und wieder einige überholen kann. Wieder ein Fluss, ein Dorf, eine enge Kehre…und direkt dahinter die Worte „Ca va piquer“ – „Das wird wehtun“ auf die Straße gemalt. Gelesen, gespürt. Eine Stunde lang kämpfen wir uns die endlose Steigung hinauf – meist mit um die 12%, in der Spitze sogar mit 18%! In Gedanken formuliere ich Dankesreden an Christian, der mir den „Rettungsring“ ans Rad geschraubt hat! So komme ich halbwegs in einem Stück an der dritten Verpflegungsstelle an, stopfe mir Gummibärchen in die Trikottaschen und gesalzene Nüsse in die Hamsterbacken. Mittlerweile nieselt es leicht, und ich bin dankbar für die Abkühlung. Außerdem ist es für heute auch vorbei mit waghalsigen Abfahrten, die leicht nassen Straßen stören beim langgezogen Aufstieg zum Ziel also nicht. Bei etwa 2% Steigung und Gegenwind saugt sich Knife quasi an jedem Gegner fest und ich kann alle wieder einholen, komme gut gelaunt und mit einem 21er Schnitt bei 90km und 2000 Höhenmetern in der Wechselzone an. Aber Moment, da war ja noch was! Ein kleiner Halbmarathon zum Laktat abbauen… Erstmal traben wir gemütlich auf weichen Waldwegen am Seeufer entlang. Urlaubsstimmung kommt auf. Dann ein Sturm. Der Regen peitscht mir ins Gesicht und ich habe kurz einen Ohrwurm von Tokio Hotels „Durch den Monsum“ im Kopf. Da hilft nur: Gas geben! Nun geht es in sanften Serpentinen hinauf ins Dorf und weiter über eine Kuppe zu einem höhergelegenen See, dort ist Wendepunkt. Die Steigung ist zu steil zum Laufen, zu flach zum Gehen. Ich „trogge“ vor mich hin. Diesen Begriff hat meine immer noch sehr fitte Mutter (74) geprägt, der ihre Lieblings-Fortbewegungsart zwischen „Trotten“ und „Joggen“ definiert. Gutgelaunt fliegen mir die Mitstreiter aus dem vorderen Mittelfeld entgegen, hier kurz vorm Ziel. Jeder grüßt freundlich mit „Bonne Chance! Bonne Courage! Allez les filles!“ oder auch mal „Hey Guapa!“ So geht es irgendwie weiter, bis ich sprichwörtlich „über den Berg“ bin. Ich lass die Beine rollen, schon ist der Wendepunkt erreicht, bald darauf klatsche ich mich auch mit Anke ab. Am höchsten Punkt erwartet mich wieder Christian. Ich bin in Endspurtlaune, denn die 5km mit 4-6% bergab Richtung Ziel sind genau mein Ding. So muss mein Supporter sich auf dem Fahrrad ranhalten, um noch Bilder von mir von vorne schießen zu können. Schade, dass kaum noch jemand zum Überholen vor mir auf der Strecke ist! Schon zum zweiten Mal heute frage ich mich, wie die alle so verdammt schnell sein können?!? Aber gut, wer im Umkreis von 200km wohnt, ist sein Leben lang nichts anderes gewöhnt, als keinen einzigen Meter im Flachen voranzukommen. Selbst die Top Ten der Langdistanzler treffe ich noch unterwegs, der Schnellste braucht schließlich 12:20 Stunden, bei 5000 Höhenmetern auf der Radstrecke! Bei mir stoppt die Uhr schließlich nach 7:38 Std, was den 9. Platz in meiner Altersklasse und insgesamt (mit Männern) den 301. Platz von 347. Finishern bedeutet. Das Starterfeld war wirklich saustark! Zur Belohnung gibt es Freibier im Zielbereich. Ich bin schon gut beschwippst, als Anke nach 8:20 ins Ziel trabt. Überglücklich und zufrieden bestellen wir „Plus de Bière“ und begrüßen lautstark die letzten Finisher der Mittel- und die Ersten der Langdistanz.

Zurück am Campingplatz wird dann der kaltgestellte „Altri-Vin“ geköpft, den es bei der Startnummernausgabe zusammen mit der Flasche Isostar gab. Äußerst sympathisch, diese Franzosen. Tags darauf starten die kurzen Distanzen, und als alle im Ziel sind gibt es eine große Finisher-Party mit der größten Paella, die man sich vorstellen kann! Zufrieden sitzen wir mit einer Horde von etwa 500 Sportlern unter den hohen Kiefern am Seeufer, trinken mehr (kostenlosen) Wein und applaudieren beeindruckt den Siegern. Was für eine tolle Idee, um für die Siegerehrung auch noch eine schöne Atmosphäre zu haben! Insgesamt ist die Organisation nur zu loben! Die Strecken (194km Rundkurs auf der Langdistanz!) waren super ausgeschildert und an kritischen Kreuzungen geregelt (ansonsten ist ohnehin nichts los in den Pyrenäen). Es gab für Damen und Herren jeweils 3 Finisher-Shirt-Größen zur Auswahl. Dazu noch einen Gutschein für die bunt bestückte „Altriman-Boutique“. Pasta-Party UND Finisher-Party. Super Verpflegungsstationen mit freundlichen Helfern. Finisher-Wein, -Bier und ein ausführliches Racebook mit allen Infos sowie Live-Ergebnisse am Monitor im Zielbereich. Und das für absolut unschlagbare 85 Euro für die Mitteldistanz! In Kombination mit dem fußläufig erreichbaren tollen Campingplatz also absolut perfekt, um jedes Sportlerherz höher schlagen zu lassen! Da fällt es uns nach zwei Flaschen Finisher-Wein nicht schwer, schon Pläne für die Langdistanz im nächsten Jahr zu schmieden! Allez les filles!

Und dann weiter zum Tourmalet und anschließend Tour de France gucken :-)

Titel, Pokale, Medaillen und Urkunden! Ein erfolgreiches Wochenende für die Triathleten am 24./25.Juni 2017!

Regen, Hagel, Aquaplaning, Windböen und überspülte Straßen stoppten die Gretescher Triathleten nicht an diesem Wochenende im gesamten Bundesgebiet ihrem Lieblingssport nachzugehen.

Hier eine kleine Zusammenfassung:

Bielefelder Triathlon - Sprintdistanz (500m - 20km - 5km)

Maximilian Aulbert (1:06:19 Std.) - 2. Platz AK / 11. Platz Herren Gesamt
Carmen Aulbert (1:11:16 Std.) - 1. Platz AK / 4. Platz Frauen Gesamt

NeuseenMan - Leipzig - Sprintdistanz (750m - 20km - 5km)

Wiebke Krone (1:17:41 Std.)- 1. Platz AK / 2. Platz Frauen Gesamt / 1. Platz Deutsche Meisterschaft im Triathlon der Justiz und somit
Deutsche Meisterin im Triathlon der Justiz

Osee Triathlon Uelzen - Mitteldistanz ( 1,9km - 90 - 21,1km )

Kimberly Miller (5:06:28 Std) - 1. Platz AK / 6. Platz Frauen Gesamt / 3. Platz Frauen Gesamt Landesmeisterschaft / 1. Platz Frauen Gesamt Landesmeisterschaft und somit Landesmeisterin AK auf der Mitteldistanz

Patrick Teller (4:30:18 Std) - 4. Platz AK / 15. Platz Herren Gesamt / 1. Platz AK Landesmeisterschaft und somit Landesmeister AK auf der Mitteldistanz

29-06-17  Mathias

Danke für Infos Kim.

Dreierpack Finale - Wertungslauf Sparkassenlauf - Zoolauf Osnabrück - Landesliga Triathlon - Steinbecker Triathlon

Welch ein Wochenende! (16.-18.06.2017)
Nachdem es am Freitag Abend beim Meller Berglauf schon rund ging, war dieses Wochenende keine Entspannung in Sicht.

Am Samstag startete Wiebke Krone beim 7. Wertungslauf des Sparkassen Cups im schönen Grafeld über die 11,8km lange Volkslaufstrecke und belegte den 2. Platz in der Gesamtwertung der Damen, sowie den 1. Platz in der Altersklasse.

Samstag Abend ging es dann beim alljährlichen Zoo Lauf wieder vorbei an Tiger, Zebra und Co. die 10km Strecke in und um den Osnabrücker Zoo herum.
Mit von der Partie waren Christian Vogt der mit einer Zeit von 38:12,5 min den 3. Gesamtplatz belegte, Maximilian Aulbert mit einer Zeit von 40:48,8 min auf den 8. Gesamtplatz und Christian Pollmann mit einer Zeit von 43:17,6 min auf dem 18. Gesamtplatz.

Beim Steinbecker Triathlon über die Shortman Distanz belegte Oliver Speller den 20. Gesamtplatz und den 5. Platz in der Altersklasse mit einer Zeit von 01:20:44 Std (500m - 09:03 min / 28km - 47:54 min / 5,2 km - 23:47 min)

Als Highlight stand dann noch der 2. Wettkampf der Triathlon Landesliga am Sonntag morgen um 09:00 Uhr in Peine an. So hieß es morgens um 05:00 Uhr ab nach Peine!!! Leider nur mit Minimalbesetzung, um in die Wertung zu kommen ( fünf teilnehmende Männer und drei teilnehmende Frauen). Trotzdem wurde ordentlich Tempo gemacht und gute Platzierungen eingefahren. Als Extrabonbon des Wettkampfes wurde auch noch die Landesmeisterschaft über die Sprintstrecke ausgetragen, was für ein enorm starkes Starterfeld sorgte. Nach 500m Schwimmen durch den Eixer See ging es 21km per Rad durchs Peiner Umland Richtung Stadion und dort auf die ca. 5km lange Laufstrecke.

Neben den super Ligaergebnissen konnten sich auch drei Osnabrücker Trias über Landesligatitel freuen!!

Anne Diekmann - Landesmeisterin Sprint TW50

Kimberly Miller - Vizelandesmeisterin Sprint TW30

Felipe Rayo Martin - Vizelandesmeister Sprint TM25

Und hier die Ligaergebnisse

Herren

Felipe Rayo Martin 10. Gesamtplatz / 2. TM25 Gesamtzeit 1:01:03 Std
Patrick Teller 27. Gesamtplazu / 7. TM30 Gesamtzeit 1:02:32 Std
Florian Meene 57. Gesamtplatz / 8. TM35 Gesamtzeit 1:04:53 Std
Jens Wiesenmüller 84. Gesamtplatz / 10. TM50 Gesamtzeit 1:06:22 Std
Frank Stöckel 166. Gesamtplatz / 24. TM50 Gesamtzeit 1:12:52 Std

Damen

Kimberly Miller 12. Gesamtplatz / 2. TW30 Gesamtzeit 1:11:02 Std
Wiebke Krone 34. Gesamtplatz / 4. TW20 Gesamtzeit 1:15:19 Std
Anne Diekmann 47. Gesamtplatz / 1. TW50 Gesamtzeit 1.18:49 Std

Die Landesliga geht nun erstmal in die Sommerpause. Am 30.07.2017 geht es dann in Stuhr über die Olympische Distanz ( 1,5km - 40km - 10 km ) weiter!

Gratulation an alle!! Danke für deinen Bericht Kim.

29-06-17  Mathias

Manche Begegnungen haben schicksalhafte Folgen - so mein 1. Ultra Lauf im April, die Harzquerung, die ich in fürsorglicher und erfahrener Spontan-Begleitung von Stefan und Bernd laufen durfte. Dank Dosenbier, Volksliedern und witzigen Gipfelselfies vergingen die 51km wie im Flug! Da bedurfte es nicht viel, mich zur gemeinsamen Teilnahme am Zugspitz Ultra Trail zu überreden. Neben der 101 km Runde gab es schließlich auch Anfänger-Distanzen, 62,8km für Anja; Anke wollte ihren ersten richtigen Berglauf mit 39km angehen. 6 Stunden Trainings-Trailrun im Zillertal mussten reichen, noch ein paarmal die Piesberg Treppen hoch, und dann ab nach Grainau: Start und Ziel und Mekka für 2500 Ultra-Läufer, die sich echt für nix zu schade sind. Die Finisher Shirts der Mitläufer bei der Pasta Party lasen sich wie die Liste von Aufnahmeprüfungen in den "Club der Alltime-Ultras". Fast peinlich, nicht den ein oder anderen Schwank vom letzten 100km-Lauf zum Besten geben zu können! Dennoch wurden wir sehr nett aufgenommen und mit realistischen Zielzeiten versorgt - das würde dann wohl länger dauern ;-) Am Start in Leutasch am Samstag Morgen stehe ich dann mit "Prinzessin Katrin" die den Großteil ihrer langen Läufe auf dem Rücken ihres Araber-Wallachs absolviert hat, was mich etwas beruhigt. Gut gelaunt schiebt sich die Karawane aus 450 "Supertrail"-Läufern zum ersten Anstieg. Mit jeder Kehre kehrt auch mehr Leben in meine Beine ein, jeder Höhenmeter verschafft neue herrliche Ausblicke! Dies wird noch getoppt von einem genialen Downhill vom 2049 Meter hohen Scharnitzjoch, die Beine rollen wie von selbst und ich schieße wie von der Tarantel gestochen gefühlt am halben Teilnehmerfeld vorbei. Etwas übermütig, denn bei einigen gewagten Überholmanövern verstolper' ich mich ordentlich auf holprigen Nebenwegen. Klug war's nicht, aber geil %-) Am Talboden angekommen geht es ewig gerade an einem Fluss entlang - idyllisch, aber laaaangweilig! Ich friste mein bergloses Dasein im Windschatten zweier Österreicher, zu allem Übel verstehe ich jedoch kaum ein Wort... eeendlich naht der nächste VP! Der junge Innsbrucker Medizinstudent David hat super Laune und eine Dose weißes Pulver dabei: Koks, Magnesium? Nach einem kleinen Näschen verlassen wir den VP gemeinsam und jagen uns abwechselnd Richtung Ferchensee: was für ein Ausblick, Biergartenstimmung und ein richtiges Klo! Zufrieden schieben wir uns an verdutzten Wanderern und Ihh-Bikern vorbei. Die Bergwertung an der nächsten 20%-Rampe entscheide ich gegen 3 Ösis für Deutschland! Gedankt sei den neuen Trailstöcken, die nix mehr wiegen, aber mir mehrfach Ehre & Leben retten! Die Sonne brutzelt nun unbarmherzig auf die Schirmmütze, da kann man kaum einmal den Blick auf das vor uns liegende, beeindruckende Wettersteingebirge werfen, das wir gerade halb umzingeln. Endlich Schatten! Dafür ein halbstündiger Downhill, und das wieder mit Fullspeed! Mit wedelnden Armen und Stöcken laufe ich Slalom um Kinder, Hunde und über Wegbefestigungen in Form tückischer Rundbalken - Füße mitnehmen! Völlig geplättet und mit kochendem Hirn schiebe ich mich an dem verlockensten Biergarten der Welt vorbei in die herrlich kühle Partnachklamm. Gott sei Dank, dringend benötigter mentaler Support von den super süßen Kids eines Mitläufers! Der längste Kilometer meiner Laufbahn im Anstieg zum nächsten VP. Ich bin schon etwas verwundert, dass die Bierbank im Schatten nicht unter dem Gewicht meines Leids zusammenbricht. Doch dann stößt David mit seinem Pülverchen wieder dazu, die Stimmung steigt, bald bleibt auch das an Verpflegung wieder im Magen, was ich drin haben will. David lässt sich jedoch "nicht stressen" und so lauf ich mit neuer Kraft bis zu Ronny auf, ein hanseatischer Ossi. Dem geht's grade lumpig und so laber ich mich um Kopf und Kragen, Kehre um Kehre, nur begleitet vom Rauschen des Baches und der Fichten, zeitweise Jammern von Ronny, aber ich fühle mich viel zu gut, um mich umzudrehen. 800 Höhenmeter später, Baumgrenze, Essiggurke (für Ronny), ISO für mich, nicht aus dem Rhythmus kommen, "DA!?! MÜSSEN WIR NOCH RAUF?" Auf der fiesen, sausteilen Schotterstraße zur Bergstation der Alpspitze sehne ich mich nach Kehren, Wald, einem Mountainbike und so einigem mehr. Zäh, zäher, die Wand der Zugspitze vor mir spiegelt sehr treffend meinen mentalen Zustand wider. Als endlich der Downhill Trail anbricht, wissen meine Oberschenkel auch nicht recht, ob sie lachen oder weinen sollen. Die Restdistanz ist einstellig, doch das rechte Knie nimmt mir die Raserei vom Anfang übel, lässt sich allmählich kaum noch knicken, und so taste ich mich auf meinen Stöcken staksend verdammt langsam 1400 Runter-Meter Richtung Ziel. Das tut weh. Neben dem körperlichen Shutdown ist es allerdings noch härter, nacheinander Ronny, David und all die anderen, die ich fröhlich überholt oder gezogen hatte, an mir vorbeiziehen zu sehen... Schlucken, Atmen, weiterstaksen, nur noch 4km bis ins Ziel. Der längste Kilometer meines Lebens wird noch 4 mal getoppt. Dann, der dunkle, rutschige Waldweg kotzt mich auf einer Lichtung aus. Der Begriff Lichtblick definiert sich für mich in diesem Moment neu. Das Klatschen einer Handvoll unermüdlicher Supporter treibt mir die Tränen in die starren Augen! Jaaa, nur noch geradeweg ins Festzelt! War Grainau schon vorher so lang? Die Dorfjugend überbietet sich mit Jubelrufen. Vor einer halben Stunde hätte ich nicht gewettet, dass ich in meinem Leben noch einen einzigen Laufschritt machen könnte, nun schwebe ich auf einer Wolke in den Zielkanal! T-R-I-U-M-P-H !! Über die Berge, in mir und um mich, den Schmerz, die brennenden Füße und dutzende einladende Biergärten am Streckenrand. Eine gutgelaunte und frischgeduschte Anke erwartet mich im Festzelt. Meine Tüte Pralinen, die mir in den letzten 2 Stunden mehrfach vorm inneren Auge erschienen war, ist auch schon da! Mit Maß und Enzian stoßen wir auf uns selbst an! Zusammen mit Bernds Verein LG Nord Berlin erwarten wir dessen Zieleinlauf. Die zweithärteste Aufgabe des Tages! Im Geiste laufen wir die Punkte im Liveticker nochmal durch und sind einfach nur froh, jetzt nicht im Schein einer Stirnlampe auf dem rutschigen Abstieg zu sein. Um halb 2 können wir dann endlich einen überglücklichen Bernd in Empfang nehmen, der in den letzten 2 Jahren die 101 km Runde abbrechen musste, nun auf den 80km endlich auch den letzten Gipfel kennenlernte. Wir feiern uns selbst, das zweitschönste Hobby nach Radfahren und die Erfindung von abgesenkten Bürgersteigen auf dem Weg ins wohlverdiente Bett. Nie wieder! Wo ist der nächste Berg? 
 Zugspitze.jpg
Ergebnisse TSGlerinnen:
Anke 39,3 km - 1896 HM - Basetrail XL: 6:55 Stunden, AK 24. - gesamt 80. von 177 (!) Bergziegen
Anja 62,8 km - 2923 HM - Supertrail: 12:38 Stunden, AK 21. - gesamt 36. von 64 Super-Ladies (inklusive Prinzessin Katrin :-D
Into the Wild – 4 Tage ein Cherusker

Es begann ganz harmlos, ich hatte meine liebe Iron-Freundin Marita am Telefon. Ich: „Kommst Du Himmelfahrt mit zum Yoga-Festival?“ Sie: „Ne, da plant mein Mann so eine verrückte Mountainbike-Tour mit mir…“ Ich: „Ach, verrückt…?“ Sie: „Ja, 500 Kilometer oder so durch den Teutoburger Wald, vielleicht wäre das ja auch was für Dich?“

Das war es tatsächlich. Keine 4 Wochen vergingen zwischen diesem Gespräch und dem Eintreffen von Marita, ihrem Mann Thomas und mir an der Startlinie des „Cherusker 500“ am vergangenen Himmelfahrts-Donnerstag. Mein neues Hardtail-29er-Mountainbike „Big Apple“ war gesattelt: vorne am Triathlonauflieger hatte ich Schlafsack und Isomatte in einer Drybag verschnürt, in der großen Satteltasche steckten Tarp, Zahnbürste und KEIN Ersatzschlauch – zu kurzfristig war mir aufgefallen, dass ich ja nun ein 29er statt eines 26er Mountainbikes fuhr! Naja, immerhin hatte ich eine Probefahrt mit dem Rad gemacht, was ich eine Woche zuvor bei eBay Kleinanzeigen für 600 Euro erstanden hatte, und meinen bequemen Sattel vom Rennrad umgeschraubt. Es konnte also losgehen! Insgesamt fanden sich circa 25 wagemutige Bikepacker (Bikepacking: Mehrtagestour mit leichtem Gepäck, self-supported) am Weseranleger in Bad Oeynhausen ein, neben Marita und mir nur eine weitere Dame. Neugierig wurden Bikes und Bärte der Mitfahrer beäugt. Bei Espresso und Vor-Finisher-Kuchen wurden noch die aktuellen Streckenhinweise und Frotzeleien ausgetauscht, bevor wir gemeinsam übersetzten. Gemütlich rollten wir eine halbe Stunde dahin, bis der erste Anstieg gleich mal mit einer ewig langen und steilen Treppe ein Zeichen für das setzte, was da noch kommen sollte. Die vollbeladenen Bikes geschultert, waren die einzigen Klamotten für die nächsten 4 Tage schnell verschwitzt und ich froh, als ich mich vom Gipfel eine erfrischende Abfahrt hinabstürzen konnte, ganz ins Gespräch mit 2 Mitfahrern vertieft. Doch schnell wurde uns klar, dass der zu fahrende GPS-Track so seine Tücken hatte, jedenfalls nie der Hauptweg zu wählen war %-) Und schon hatte ich Marita und Thomas verloren. Einige Trails, Aussichtstürme und Horden besoffener Vatertags-Tourer später bekam ich bei Kaffee und 2 Stück Torte die SMS, dass Marita mit gebrochenem Gepäckträger einige Zeit verloren hatte. Ich hatte mich inzwischen für einige unterhaltsame Stunden mit Stefan zusammengetan, der mit einer 1:50.000 Wanderkarte unterwegs und ganz froh war, mir und meinem Garmin folgen zu können. Allerdings nur bis zum Anstieg nach der Kaffeepause. Jegliches gutes Zureden und Füttern mit Schokolade half nicht, immer wieder musste ich warten, doch als er an einem langen Anstieg endgültig außer Sichtweite geriet musste ich mir eingestehen, dass ich von nun an wohl ganz auf mich gestellt unterwegs war. Na gut, Apple zog willig mit mir jeden Berg hoch, und ich fühlte mich viel zu fokussiert, um irgendwas zwischen uns und Kaiser Wilhelm, dessen Denkmal an der Porta Westfalica das Ziel darstellte, kommen zu lassen. An einer wunderschönen Hütte im Sonnenuntergang überm Deister kam ich dann noch an 3 weiteren Fahrern vorbei, die Jungs vom ersten Downhill, die mich während des Torte-Essens überholt hatten (jaja, typisch…). Die guckten nicht schlecht, dass ich alleine weiter in die Dunkelheit fahren wollte. Aber: es machte gerade viel zu viel Spaß, um schon aufzuhören! Auf einem genialen Single-Trail rollte ich in Lemgo ein, gerade noch rechtzeitig bevor ein freundlicher Italiener sein Restaurant abschließen wollte. Natürlich wurde ich noch bestens mit Pizza, mehr Torte und Espresso versorgt, sodass ich gestärkt im Schein der Stirnlampe Richtung Hameln pedalierte. Die Wege waren auf diesem Stück zum Glück so gut ausgebaut, dass ich auch im Dunkeln gut vorankam, selbst bergab reichte die kleinste Stufe der tollen neuen Lupine Lampe. Die Aussicht vom Klüte-Turm über Hameln und die Weser war gigantisch, begleitet von Musik aus den Handylautsprechern einiger Jugendlicher, die hier zum Knutschen mit ihren Autos raufgefahren waren. Die kurze Gesellschaft war ganz angenehm, denn bald schon hatte der Wald mich wieder. Unzählige Rehe und andere blitzende Augen schauten überrascht in meine Richtung, während ich langsam nach einem Schlafplatz Ausschau hielt. Um halb 3 hatte ich an einem Waldrand das ideale Quartier gefunden: auf einer noch pferde-losen Pferdeweide standen einige Bäume mit weichem Gras darunter, das Ganze schön mit Zaun umspannt gegen sämtliche Gefahren des Waldes. Genau das richtige Maß an Zivilisation! Das Tarp war schnell gespannt, wenige Minuten später fielen mir zufrieden die Augen zu. Um nach 6 Stunden Schlaf wieder einen wunderschönen Morgen zu erblicken! Herrlich, die Landschaft gehört mir, Apple und ich fliegen über einen einsamen Hügel nach dem anderen Richtung Detmold. Noch schnell einen Ersatzschlauch und eine Ladung Kettenfett besorgt und dann ab in mein dortiges Lieblingscafé „CUP“, von dessen weltbestem Tiramisu ich letzte Nacht mehrfach halluziniert hatte. 5000 Kalorien und eine Akkuladung für mein Garmin später frage ich mich fröhlich Richtung „Hermann“ durch, ein netter älterer Herr gerät ins Schwärmen, als er von meiner Mission hört. „Damals“ wäre er ja auch von Freiburg zur Ostsee geradelt – natürlich ohne Gangschaltung und mit einem 10 Kilo Zelt. Passionierte Radler gibt es also offenbar schon seit der Erfindung des Rades :-D Am Hermannsdenkmal angekommen fühle ich mich erhaben und schon ziemlich wie eine waschechte Cheruskerin – ich denke, die vielen anderen Besucher können den Unterschied zumindest riechen ;-) Keine Zeit für Sentimentalitäten, ich stürze mich in den nächsten Downhill, der Track nimmt selbstverständlich jeden Single-Trail mit, der an der Strecke liegt. Teilweise rutsche ich mit voller Beladung auf steilsten, verwinkelten Waldpfaden im Halbdunkeln schiebenderweise hinter Apple her, der einen tüchtigen Vorwärtsdrang hat. Dann werden wir von einem netten Pärchen auf dessen Feierabendrunde im Windschatten mitgenommen, was meinen Schnitt und meine Moral nochmal nach vorne puscht. Eine doppelte Portion Pommes auf dem Jahrmarkt in Bielefeld, dann bin ich wieder allein da draußen, die Strecke des Hermannslaufes im Nu hinter mir gelassen. Um Mitternacht stoße ich auf eine einladende Schutzhütte über Borgholzhausen. Super, der Tisch hat genau die richtigen Maße für meine Isomatte. Ich spare mir das Tarp und putze mir nach 5 Stunden Nachtruhe im Morgennebel die Zähne, während ich einen Fuchs beobachte, der friedlich über’s Feld trabt. Ich fühle mich eins mit der Natur, Apple und dem Trail. Glücklich rolle ich in Borgholzhausen ein, inhaliere 2 Croissants und begebe mich nun auf die Strecke des berüchtigten Luisenturmlaufes. Es hilft schon sehr, große Teile der Strecke zu kennen und mental vorbereitet zu sein. Genialerweise schaffe ich nun den knackigen Anstieg sogar ohne zu Schieben, wo ich noch vor 3 Monaten OHNE Gepäck klein beigeben musste. Glücklich mampfe ich auf dem Luisenturm das dritte Croissant und begegne den ersten Menschen des Tages nach der Bäckersfrau. Heimspiel! Voll im Flow vergeht der Weg bis Tecklenburg wie im Rausch, pünktlich um 12 Uhr mittags sitze ich im Café Rabbel und überlege, ob ich Sahne-Nuss, Schoko-Mousse oder Himbeer-Sahne nehmen soll. Aufgrund mentaler Erschöpfung entscheide ich mich für alle. Große Augen machen die netten Holländer am Nebentisch: sie feuern heute den Sohn bei der Ibbenbürener RTF an. Selber Radfahrer, erkennen sie meine Leistung an und geben beste Wünsche mit auf den Weg. Noch ein kleiner Zwischenstopp bei der Bio-Pommesbude, schon ziehe ich am Anstieg zum Aussichtsturm sogar noch ein paar Holländer auf dem Rennrad ab! Feind bleibt Feind ;-) Es wird immer heißer, und als mich der Hermannsweg am „Nassen Dreieck“ ausspuckt, sehne ich mich nach einem Sprung in die kühlen Fluten. Mein Navi kriegt es irgendwie nicht hin, den 3. und letzten Teil des Tracks zu laden, und so erlebe ich meine größten Orientierungsschwierigkeiten tatsächlich am vermeintlich einfachsten Stück, dem Mittellandkanal! Soviel Wasser, soviel Leitplanken... Frustriert frage ich mich unter gleißender Sonne durch Richtung Bramsche. „Bramsche?! So weit wollen Sie noch? Das sind 30 Kilometer!!“ Ich lächel und nicke nur müde, keine Kraft für Erklärungen. Kopf runter, Triathlonlenker. Angetrunkene Jugendliche versperren immer wieder den Weg, ich bin kurz davor, jemanden zu verprügeln, nachdem die Wanderer auf dem Hermannsweg schon keinerlei Einsicht hatten, mein Klingeln (ja, ich habe sogar extra eine Klingel montiert gehabt…) anders zu beantworten als sich umzudrehen, doof zu gucken und sich dann mit 4 Leuten in 5 Richtungen zu verteilen. Beruhigend rede ich auf Apple ein „Ruhig Grüner, nicht mehr weit, es läuft doch super, fast zu Hause…“. Da kommt mir fröhlich rufend Marita entgegen! Wahre Freunde riechen quasi, wann sie gebraucht werden! Sie und Thomas haben nach einer weiteren Panne (Kettenriss) entnervt aufgegeben, nach kurzer Zugfahrt ausgeschlafen und nun einen Verpflegungsposten in ihrem Bulli im Schatten am Kanal eingerichtet! Völlig verbraucht liege ich neben Golden Retriever Fanny im Fußraum und hechel mit ihr um die Wette. Währenddessen schmiert Thomas meine Kette und reicht Marita mir nasse Waschlappen. Ich bin im Bikepacking-Himmel! Danke für diese tolle Unterstützung! Mental wieder 30cm größer gebe ich Apple die Sporen: das folgende Stück sind wir vor 2 Wochen, noch mit meinem alten Rad, als Teststrecke zu dritt abgefahren. Erstmal aber noch eine doppelte Pommes am Kalkrieser Campingplatz, dann auf zur Schmittenhöhe! In luftigen Höhen von 157m üNN lasse ich mir den Eintrag ins Gipfelbuch nicht entgehen! Danach wird es langsam zäh. Der Weg schlängelt sich nicht gerade auf Ideallinie und immer wieder macht mein Garmin einen fiesen Piepton: Streckenabweichung! Nicht so einfach, wenn sich die Single-Trails verwunden durch den GPS-armen Wald schlängeln… Dann folgen endlich wieder asphaltierte Feldwege, am Venner Turm vorbei und mit Schwung über die Hügel bei Ostercappeln, in der Dämmerung sehr angenehm zu fahren… Nur noch 60km und ein gigantischer Sonnenuntergang! Ich sitze seit 18 Stunden auf dem Rad, mit ein paar Pausen, bin nun hin- und hergerissen zwischen „Durchziehen“ und nachts um 4 allein am Kaiser-Wilhelm-Denkmal mich selbst feiern oder mich unter den nächsten Baum werfen und morgen ganz entspannt bei Tageslicht eine ganz normale „Sonntagstour“ zu machen. Die nächsten zwei endlosen Anstiege nehmen mir schließlich die Entscheidung ab. Mein Hintern fühlt sich an wie auf einem Fakirbrett. Der linke Schaltdaumen hat sich durch einen winzigen Kratzer entzündet und zwingt mich, mit dem Zeigefinger umzugreifen, um zu schalten. Der Nacken tut so weh, dass mir immer wieder Bilder von Langstreckenfahrern mit einem Besenstiel unterm Trikot und einer Kinnbinde für den schweren Kopf vor Augen treten. Also, her mit dem Baum! Gar nicht so leicht im Wald... Keine Schutzhütte in Sicht. Einfach nur Weg und Bäume. Der Wind weht mir das Tarp aus der Hand… Frustriert stapfe ich weiter, da! Eine junge Buchen-Schonung. Ganz viele gerade Stämmchen in bestem Abstand. Ratz fatz hängt das Tarp, ist die Isomatte aufgeblasen. Beim Zähneputzen raschelt es im Laub. Immer lauter. Und lauter. Okaaaayy, das ist kein Reh…“Hallo?!“ „Grunz-Grunz“. Für einen Moment gefriert mir das Blut in den Adern, mein Blick sucht den nächsten Baum zum Raufklettern. Mist, alles Mini-Jungbäume! Ich mache Alarm und stampfe mit einem großen Ast auf den Boden. Sieg! Das Borstentier dreht ab. Mit dem Ast in der Hand schlafe ich erschöpft ein. 5 Stunden später fresse ich wieder Kilometer, immer im SMS-Kontakt mit Anke. Um 10 Uhr ist Treffpunkt am Grönegaubad in Melle zum ersten Triathlon der Saison. Das war mit meiner Mannschaft von der Diakonie Suchtberatungsstelle schon lange vor dem Cherusker ausgemacht. 2 Stunden rolle ich schon weiter Richtung Ziel - was ich jetzt schaffe, muss nicht mehr nach dem Triathlon gefahren werden… Schließlich sammelt Anke mich dreckverkrustetes und nicht nach Rosenblättern duftendes Elend beim Bäcker in Rödinghausen ein. Apple bleibt einsam auf dem Penny-Parkplatz. Ride you later! Zum Glück war ich ein paar Tage vorher geistesgegenwärtig genug, frische Klamotten in Ankes Auto zu deponieren, sonst hätten die Kollegen mich sicher nicht erkannt. Zum Glück darf ich Schwimmen! Badeanzug an, einmal ab-kärchern, schnell 400m hinter mich bringen und dann die Erholung genießen. Hauptsache nicht sitzen... Die Kollegen und Patienten sind begeistert von ihrem ersten Triathlon, der Abstecher hat sich gelohnt! Meine Mutter ist extra zum Anfeuern gekommen, kann leider wegen einer Plantar-Faszitis nach dem Klippenlauf selber diesmal nicht teilnehmen, baut mich aber ebenso wie Anke nochmal moralisch auf für den Endspurt. Um 15 Uhr kette ich Apple vom Penny-Ständer ab und verschwinde wieder auf dem Wittekindsweg. Natürlich habe ich stilecht wieder die vor Dreck stehenden Klamotten angezogen – schließlich ist keine (geplante) Hilfe von außen erlaubt. Ich treffe an derselben Stelle wieder auf den Track, wo ich ihn verlassen habe, also alles in Butter. Christian hat versprochen, mir von der Porta Westfalica aus entgegenzukommen und mich dort abzuholen. Nur noch 40km. Endloses Auf und Ab. Keine Menschenseele. Grüne Blätter, Waldboden. Meine Welt ist so klein geworden in den letzten Tagen und doch so viel größer. Ich stoße auf eine herrliche Bank am Waldrand in der Sonne – da sitzt Christian! Noch 20km, mein Gott ist das wenig, und doch noch sooo viel! Ich hänge am Hinterreifen von Stumpy – Christians Stumpjumper - und quatsche mir meine Erlebnisse von der Seele; vor allem, um mich abzulenken. Letzter Anstieg! Kaiserliches Gefühl am Fuße des Kaisers! Veni, vidi, veloci! Mein Gesicht ist gar nicht breit genug für mein Grinsen! Ein Kuss für Apple, dann Christian. Downhill. Ungeplante Gegenanstiege. Endlich die Weser! 2 Hauptgerichte + Nachtisch + Espresso. Zwei grüne Räder im Kofferraum und das unbeschreibliche Gefühl in mir, Teil von etwas ganz Großem zu sein. Ein gutes Kapitel geht zu Ende, aber ich spüre, dass es erst der Anfang von einer langen Geschichte ist.

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Facts: 450km – 9.500 Höhenmeter. Von Café Rabbel bis VP Marita nicht mitgetrackt, geschätzt also 500km und 10.000 Höhenmeter. 33:15 Stunden Fahrtzeit, Durchschnittsgeschwindigkeit 13 km/h. 4 Tage, 3 Nächte, 1 Wildschwein, 14.000 Kalorien verbraucht, Gegenmaßnahmen: 6 Stück Torte, 2 Tiramisu, 4 Pommes, 2 Pizza. 16 Stunden Schlaf, keinen Platten :-) Erste und einzige weibliche Finisherin (Marita befindet sich zum Zeitpunkt dieses Berichtes auf dem Trail für den 2. Versuch. Eine echte Iron-Lady gibt niemals auf!)